Besteuerung deutscher Investitionen in Thailand

Dr. Constantin Frank-Fahle, LL.M., Rechtsanwalt, und Till Morstadt, Rechtsanwalt,
beide Bangkok

Besteuerung deutscher Investitionen in Thailand

Thailand stellt als zweitgrßte Volkswirtschaft nach
nominalem Bruttoinlandsprodukt (BIP) innerhalb
der Staaten der „Association of Southeast Asian Nations“ (ASEAN) einen der wichtigsten Investitionsstandorte in Sdostasien dar. Mit einem erwarteten
Wirtschaftswachstum von ca. 3,6% im Jahr 2018
liegt Thailand zwar unterhalb der prognostizierten
ASEAN-Durchschnittswachstumsrate von 4,8%; das
Land bietet sich aber auch unabhngig davon aufgrund seiner zentralen geographischen Lage innerhalb Sdostasiens als Sprungbrett fr Investitionen
in die Region an. Der vorliegende Beitrag soll einen
berblick ber die steuerliche Behandlung deutscher
Investitionen in Thailand vermitteln.
I. Ausgangsberlegungen und
Markteintrittsregelungen in Thailand
Thailand zeichnet sich insbesondere durch
– einen Zugang zu kostengnstigen und gut ausgebildeten Arbeitskrften,
– einer gnstigen geographischen Lage im Herzen der
ASEAN-Staaten mit Grenzverbindungen zu Malaysia, Kambodscha, Laos und Myanmar sowie
– einer entwickelten Infrastruktur mit direkten Hafenzugngen
zum Golf von Thailand und Andamanensee
aus.1
Ausweislich des „Ease of Doing Business Ranking“ der
Weltbankgruppe belegt Thailand derzeit Platz 26.2 Damit
liegt Thailand innerhalb der ASEAN-Region auf Platz 3,
hinter Singapur (Platz 2) und Malaysia (Platz 24).3
1. Foreign Business Act
Bei einem Markteintritt in Thailand mssen auslndische
Investoren die Regelungen des Foreign Business Act beachten.4 Auslnder im Sinne des Foreign Business Act sind:
(a) alle natrlichen Personen, die nicht die thailndische Staatsbrgerschaft besitzen,
(b) juristische Personen, die nicht in Thailand registriert sind,
oder
(c) juristische Personen, die zwar in Thailand registriert sind,
deren Anteile aber zu 50% oder mehr von den beiden vorgenannten Personengruppen gehalten werden.5
Vom Anwendungsbereich und den Restriktionen ausgenommen sind Gemeinschaftsunternehmen mit einem thailndischen Partner, der die Mehrheit der Gesellschaftsanteile
hlt.6 Ob und unter welchen Umstnden ein Gemeinschaftsunternehmen sinnvoll ist, hngt vom Einzelfall ab.7 Joint
Venture-Vertrge knnen in jeder beliebigen Sprache abgeschlossen werden, wobei in der Praxis auf die englische
Sprache zurckgegriffen wird.8
In sachlicher Hinsicht enthlt der Foreign Business Act drei
Listen, wonach es Auslndern gar nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen mglich ist, in Thailand geschftlich
aktiv zu werden:9
Tabelle 1: Einteilung der Geschftsaktivitten gemß Foreign
Business Act
Liste 1 Ttigkeitsbereiche, die Auslndern aus „besonderen Grnden“ generell verschlossen sind10
Liste 2 Ttigkeitsbereiche, die Auslndern „aufgrund ihrer Auswirkungen auf die nationale Sicherheit,
Kultur, Brauchtum, natrlichen Ressourcen oder
Umwelt“ grundstzlich verschlossen sein sollen11
1 Lorenz, Investment in Thailand, 10. Aufl. 2014, S. 3 ff.; Sittisakonsin/
Gobpradit, in: Sanders (Hrsg.), The Inward Investment and International
Taxation Review, 7. Aufl. 2017, S. 512 ff.
2 World Bank Group, Doing Business 2018, Reforming to Create Jobs,
15th Ed. 2017, S. 4, abrufbar unter: ahttp://www.doingbusiness.org/~/
media/WBG/DoingBusiness/Documents/Annual-Reports/English/DB
2018–Full-Report.pdfA (Stand: 9. 11. 2017). Weitere Informationen zu
Thailand: Wirtschaftsdaten Kompakt: Thailand, Publikation der Germany Trade and Invest – Gesellschaft fr Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH, abrufbar unter: ahttp://www.gtai.de/GTAI/Content/
DE/Trade/Fachdaten/MKT/2016/11/mkt201611222093_159770_wirt
schaftsdaten-kompakt –thailand.pdfA (Stand: 9. 11. 2017).
3 Andere ASEAN-Volkswirtschaften befinden sich auf den folgenden
Pltzen: Brunei, Platz 56; Indonesien, Platz 72; Philippinen, Platz 113;
Kambodscha, Platz 135; Laos, Platz 141; Myanmar, Platz 171.
4 Zum Ganzen: Frank-Fahle/Morstadt, Strukturierung und Steueroptimierung von Auslandsinvestitionen in Thailand, PIStB 2017, 132

(c) juristische Personen, die zwar in Thailand registriert sind,
deren Anteile aber zu 50% oder mehr von den beiden vorgenannten Personengruppen gehalten werden.5
Vom Anwendungsbereich und den Restriktionen ausgenommen sind Gemeinschaftsunternehmen mit einem thailndischen Partner, der die Mehrheit der Gesellschaftsanteile
hlt.6 Ob und unter welchen Umstnden ein Gemeinschaftsunternehmen sinnvoll ist, hngt vom Einzelfall ab.7 Joint
Venture-Vertrge knnen in jeder beliebigen Sprache abgeschlossen werden, wobei in der Praxis auf die englische
Sprache zurckgegriffen wird.8
In sachlicher Hinsicht enthlt der Foreign Business Act drei
Listen, wonach es Auslndern gar nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen mglich ist, in Thailand geschftlich
aktiv zu werden:9
Tabelle 1: Einteilung der Geschftsaktivitten gemß Foreign
Business Act

5 Sec. 4 Foreign Business Act B.E. 2542 (1999).
6 Im Joint Venture-Vertrag sollten u. a. Regelungen zur Gewinnbeteiligung, Technologietransfer, Streitbeilegungsmechanismen sowie Wettbewerbsverbote nach Beendigung des Gemeinschaftsunternehmens enthalten sein. Es sollte auch geregelt werden, was beim Ableben des thailndischen Partners (soweit es sich um eine natrliche Person handelt)
passiert. Denn in dieser Konstellation gehen die Gesellschaftsanteile
grundstzlich im Wege der natrlichen Erbfolge auf die Abkmmlinge
des thailndischen Geschftspartners ber. Die Erfahrung zeigt, dass es
dann oftmals zu Deadlock-Situationen kommt, da zum einen aufgrund
der Erbfolge meist mit mehreren Gesellschaftern (statt mit nur einem)
eine Einigkeit erzielt werden muss. Zum anderen verfolgen die Gesellschafter der zweiten Generation oftmals unterschiedliche Interessen, die
sich nicht zwangslufig miteinander in Einklang bringen lassen.
7 Das thailndische Gesellschaftsrecht sieht die Mglichkeit vor, sog. Vorzugsaktien (preferential shares) mit mehrfachen Stimm- und Dividendenbezugsrechten auszugeben (vgl. Sec. 1108 Civil and Commercial
Code). Hierdurch lassen sich die Einflussmglichkeiten auf das Gemeinschaftsunternehmen aus Sicht des auslndischen Investors im Einzelfall ausweiten, ohne dass die Einschrnkungen des Foreign Business
Act B.E. 2542 (1999) Anwendung finden.
8 Anders als beispielsweise in Indonesien (vgl. hierzu u. a. Kltzel/Blle,
Lnderreport Indonesien, RIW 2015, 351, 352) besteht in Thailand derzeit kein gesetzliches Erfordernis, wonach Vertrge zwischen auslndischen Investoren und thailndischen Geschftspartnern auch in thailndischer Sprache auszufertigen sind.
9 Geschftsttigkeiten, die nicht vom Foreign Business Act B.E. 2542
(1999) erfasst sind, unterliegen keiner Einschrnkung.
10 Liste 1 beinhaltet die folgenden Aktivitten: Zeitungs-, Radio- und Fernsehgeschft, landwirtschaftliche Aktivitten wie insbesondere Reisanbau und Nutztierhaltung, Forst- und Fischwirtschaft, die Extraktion thailndischer Kruter, Handel mit religisen oder historisch bedeutsamen
Objekten, Herstellung von Buddha-Figuren und religisen Almosenschalen fr Mnche sowie Immobilienhandel.
11 Liste 2 beinhaltet u. a. die folgenden Aktivitten: Handel sowie Herstellung oder Wartung von Waffen, das gesamte Transportwesen, Handel
und Produktion verschiedener Kunst- und Handwerksgegenstnde, die
insbesondere der traditionellen thailndischen Kunst zuzuordnen sind,
Produktion von Gold-, Silber-, Bronze- und Lackkunstwaren, Salzgewinnung und Bergbau sowie verschiedene Formen der Holzverarbeitung

 

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